Was ist Schuppenflechte?

Schuppenflechte oder auch “Psoriasis”, ist eine entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Gelegentlich tritt sie bereits im Kindes- oder Jugendalter auf. In der Regel beginnt sie jedoch im Erwachsenenalter und verläuft dann lebenslang.

Nach dem allergischen Kontaktenzem und Neurodermitis ist Schuppenflechte eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. In Deutschland sind ca. 2-3%, ungefähr 2 Millionen Menschen, davon betroffen.

Laut epidemiologischen Studien sind Männer und Frauen gleichermassen betroffen. Als typisches Erscheinungsbild gelten scharf begrenzte, schuppende Rötungen der Haut. Diese treten bevorzugt an Ellenbogen, Knien und dem behaartem Kopf auf, die teilweise jucken.

Das griechische Wort “psao” heißt “ich kratze”, woher sich der Name Psoriasis ableiten lässt. In 5-10% der Fällen sind neben der Haut auch die Gelenke betroffen (Psoriasis-Arthritis) und bei ca. 50% auch die Nägel.

Psoriasis wird vererbt, wobei die Anlagen nicht immer auch zum Ausbruch kommen. Damit die Schuppenflechte zum Ausbruch kommt, sind unterschiedliche Faktoren bekannt.

Teilweise kommt es zu spontanen Verbesserungen des Hautbilds, aber auch durch Behandlungen ist eine Verbesserung möglich. Allgemein ist ein schubförmiger Verlauf typisch, wobei eine ursächliche Heilung nicht möglich ist.

Die Ausdehnung, der Schweregrad und Lokalisation der Psoriasis Herde sind unterschiedlich individuell.

Außer den Einschränkungen der Lebensqualität durch Entzündungen, Schuppung und Juckreiz ist es besonders die “Andersartigkeit”, die für Schuppenflechte Betroffene ein schweres Problem darstellen. Daneben leiden Menschen mit der Gelenk-Psoriasis unter Schmerzen und Funktionseinbußen der Gelenke.

Auf Grund des chronischen Verlaufs erfordert Schuppenflechte eine kontinuierliche Pflege. In schweren Fällen sogar mit mehrwöchigen stationären Behandlungen. Diese verursachen erhebliche Kosten für die Sozialkassen, die Volkswirtschaft und die Betroffenen selbst.

Welche Formen gibt es?

Es gibt 3 unterschiedliche Hauptformen der Schuppenflechte.

  • Psoriasis Vulgaris oder auch “gewöhnliche Schuppenflechte”. Diese macht ca. 85% aller Erkrankungen aus.
  • Psoriasis Pustulosa, die mit Eiterbläschen einhergeht und ca. 5% aller Fälle ausmacht.
  • Psoriais-Arthritis, durch die entzündliche Gelenkerkrankungen verursacht werden und bei ca. 5-10% der Betroffenen auftritt.
Typ Hauptsymptome Lokalisation
Psoriasis Vulgaris Rote, schuppende Herde Kopf, Ellenbogen, Kniescheiben
Plaque-Typ der Psoriasis vulgaris Schwere Verlaufsform der Psoriasis vulgaris, heilt meist nur unvollständig Großflächiger Befall, auch von Brust und Rücken, Armen und Beinen
Guttata-Typ der Psoriasis vulgaris Plötzliches Auftreten von pfenniggroßen Herden Gesicht, Brust und Rücken
Psoriasis-Arthritis Rötung, Schwellung von Gelenken, Schmerzen, evtl. auch Haut betroffen Häufig Finger-, Hand-, Sprunggelenke, Knie, Ellenbogen, z.T. Wirbelsäule
Psoriasis pustulosa Rötung und Eiterbläschen, z.T. wunde Stellen Oft Handteller und Fußsohlen, selten ganzer Körper

Psoriasis vulgaris

Bei der Psoriasis Vulgaris bilden sich zunächst kleine entzündlich gerötete Hautareale. Diese können bis zu Handteller groß werden und sind von anderen Bereichen scharf abgegrenzt. Dabei sind sie von einer ständig abblätternden Schuppenschicht bedeckt. Bevorzugt betroffen sind die Kopfhaut und die Ellenbogen, Knie aber auch Gesäß, Brust und Rücken. Dazu leiden etwas 50% der Betroffenen an Juckreiz, der sich stark negativ auf die Lebensqualität auswirkt.

Schuppenflechte am Ellenbogen

Schuppenflechte am Ellenbogen

Über den Verlauf und die Ausprägung gibt es keine sichere Prognose. Neben leichten, oft unerkannten Fällen, kommt es häufig auch zu Schüben mit hoher Krankheitsaktivität.

Bei schwerer Ausprägung können 70-80% des Körpers befallen sein. Dabei erleben viele Patienten, nach einer optimalen Behandlung, schon nach kurzer Zeit neue Schübe.

Ebenso treten Nagelveränderungen bei 50% der Betroffenen auf. Dabei reichen die Auswirkungen von Tüpfelnägeln bis zur vollständigen Zerstörung der Nägel.

Psoriasis pustulosa

Hierbei treten keimfreie Eiterbläschen an den Fußsohlen und Handinnenflächen auf. Dabei fällt den Betroffenen das Laufen schwer und eine Arbeit mit den Händen ist nicht mehr möglich.

In schweren Fällen ist der ganze Körper betroffen. Dadurch ist die Haut mit hochentzündliche, gerötete Eiterbläschen übersät. Dabei treten häufig zusätzlich Fieber, Abgeschlagenheit und ein schweres Krankheitsgefühl auf.

Psoriasis-Arthritis

Die Psoriasis-Arthritis ist eine rheumatische Form der Psoriasis. Beim häufigsten Typ, dem “distaler Typ”, kommt es zu Schwellungen an wenigen Gelenken. Meistens sind die Zehen- oder Fingergelenke in asymetrischer Verteilung betroffen. Dabei sind die Schwellungen sehr schmerzhaft und schränken die Bewegung ein.

Eine weitere Form ist die mutilierende Form. Dadurch werden viele kleine Gelenke der Finger, Hände, Zehen, Füße und auch von Wirbeln zerstört.

Die dritte Form betrifft hauptsächlich die Wirbelsäule. Dabei ist besonders tükisch, dass die entzündeten Gelenke lange nur von leichten Schmerzen begleitet sind. Jedoch schon längst ein starker Umbau bis zur Zerstörung des Gelenks statt fand. Dadurch werden die Betroffenen von einem unumkehrbaren Verlust der Gelenke überrascht.

Wie entsteht Schuppenflechte?

In den letzten Jahren hat sich die moderne medizinische Forschungen mit der Entstehung der Psoriasis befasst. Besonders die Immunologie und molekulare Genetik standen dabei im Mittelpunkt.

Für die meisten Forscher gilt Schuppenflechte als eine Reaktion des Hautorgans, bei der genetisch bedingte Veranlagungen, sowie bestimmte Auslösefaktoren und Risikofaktoren zusammen spielen.

Durch die Psoriasis wird eine Immunantwort ausgelöst, die für die Krankheit typisch ist. Dabei sind besonders die weiße Blutzellen, die Th1-Lyphozyten beteiligt.

In etwa 30-40% der Fällen sind immer auch Verwandte von Betroffenen an Schuppenflechte erkrankt. Durch Untersuchungen fand man heraus, dass der Vererbungseffekt deutlich stärker über die Väterliche Seite vermittelt wird.

Darüber hinaus zeigten neueste Forschungen, dass es auch Gene gibt, die vor der Krankheit schützen. Dazu zählen bestimmte Gene auf den Chromosomen 1, 3, 6 und 19. Die genau Gensequenz ist jedoch noch unbekannt.

Wer ist von Schuppenflechte betroffen?

Zur Zeit gibt es keine ausreichend großen, bevölkerungsbezogenen Studien. Deshalb kann die Anzahl der Psoriasis Erkrankten in Deutschland nur geschätzt werden.

Innerhalb Europas ist das Auftreten der Schuppenflechte relativ homogen. Dagegen gibt es im Vergleich mit anderen ethnischen Gruppen und geographischen Regionen erhebliche Unterschiede.

Im Norden Europas sind ca. 2-3% der Bevölkerung betroffen. Im Gegensatz zur Neurodermitis ist der Wert bei Schuppenflechte Betroffenen konstant geblieben.

Mitte der 90er Jahre wurden in einem Pilotprojekt 665 Personen zufällig ausgesucht und Hautärztlich untersucht. Dabei wurden in 2.7% der Fällen eine manifeste Psoriasis festgestellt. Dies entspricht in etwas dem Nordeuropäischem Durchschnitt.

Eine Geschlechterspezifische Verteilung konnte dabei nicht festgestellt werden. Allerdings ergibt sich aus internationalen Studien heraus kein Unterschied im Auftreten bei Frauen oder Männern.

Allgemein kann Schuppenflechte in jedem Alter auftreten. Jedoch gibt es zwei unterschiedliche Typen.

Beim Frühtyp, oder Typ-1, tritt die Schuppenflechte meistens vor dem 30. Lebensjahr auf. Davon sind ca. 70% der Erkrankten betroffen.
Durch Untersuchungen an 3.700 Patienten wurde festgestellt, dass der Ersterkrankungsgipfel für diesen Typ bei Männern bei 16 Jahren und bei Frauen bei 21 Jahren liegt.

Im Gegensatz dazu tritt die Typ-2 Psoriasis meistens erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Dabei liegt der Ersterkrankungsgipfel bei Männern bei 57 Jahren und bei Frauen bei 60 Jahren.

Darüberhinaus gibt es noch weitere Unterschiede: beim Frühtyp wir häufiger ein schwerer Verlauf festgestellt und er hat eine höhere familiäre Belastung. Genetische Faktoren haben hier also eine höhere Bedeutung. Dagegen spielen beim Typ-2 bestimmte Zelloberflächenmerkmale, die HLA Antigene, eine größere Rolle.

Wie kann ich mich schützen?

Zur Zeit werden genetische Faktoren intensiv erforscht. Jedoch tragen auch andere Faktoren zu einer Verschlechterung oder zum Auftreten der Erkrankung bei.

In Untersuchungen zeigten sich Zusammenhänge zum Rauchen, Alkohol, Stress, Übergewicht, Medikamenten, Klima und Infekten.

Rauchen ist schädlich bei Schuppenflechte

Raucher erkranken 2 x häufiger an Schuppenflechte

Dabei zeigte sich, dass Raucher zweimal so häufig an Psoriasis erkranken wie Nichtraucher. Außerdem haben männliche Patienten einen überdurchschnittlich höheren Alkoholkonsum. Jedoch ist nicht sicher, ob der höhere Alkoholkonsum ein Auslöser, die Folge der Belastung oder beides ist.

Ebenso komplex ist der Zusammenhang bei Stress. Dieser kann sowohl Auslöser als auch Folge der Erkrankung sein.

Es gibt Anzeichen darauf, dass sich die Ernährung auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Demnach zeigt sich, dass ein hohes Körpergewicht mit einem erhöhtem Risiko für Schuppenflechte verbunden ist. Außerdem zeigte eine Studie, dass eine Ernährung mit hohem Anteil an Karotten, Tomaten und frischen Früchten einen gewissen Schutz vor Psoriasis bietet.

Häufig wird berichtet, dass Wein und bestimmte Gewürze einen negativen Einfluss auf das Hautbild haben. Allerdings gibt es dazu keine wissenschaftliche Nachweise.

Dagegen wurde belegt, dass sich zahlreiche Medikamente ungünstig auf Schuppenflechte auswirken. Dies gilt für Medikamente wie zum Beispiel:

  • Herz-Kreislauf Medikamente wie Betablocker
  • Psychopharmaka wie Lithiumsalze
  • Immuntherapeutika wie Interferone
  • Malariamittel wie Chloroquin
  • nichtsteroidale Antirheumatika wie Indomethazin

Die häufigsten Psoriasis Schübe erfolgen im Herbst und Frühling. Dabei begünstigen Infekte, wie Halsentzündungen und bestimmte Bakterien (Streptokokken der Gruppe A) den Verlauf.

Ebenso hat das Klima einen Einfluss auf die Schuppenflechte. Darüberhinaus werden weitere Auslöser diskutiert, die jedoch noch nicht weitreichend untersucht sind.

Die Möglichkeiten für eine Vorbeugung sind zur Zeit noch begrenzt. Wirksame Massnahmen sind der Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Übergewicht. Dies gilt besonders für Personen, in deren Familie bereits eine Belastung vorliegt. Darüberhinaus sind diese Faktoren auch entscheidend für den Verlauf einer Erkrankung.

Mit Hilfe einer konsequenten Hautpflege, auch bei geringen Erscheinungen oder während einer erscheinungsfreien Zeit, können Schübe herausgezögert oder abgemildert werden.

Besonders bei der Psoriasis-Arthritis ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung wichtig. Grundsätzlich sollten Medikamente wie Betablocker oder Lithiumsalze gemieden werden.

Welche Auswirkungen die Ernährung auf Schuppenflechte hat wird zur Zeit noch untersucht. Der Schwerpunkt für eine generelle Behandlung liegt in der gezielte Schulungen für Betroffene.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Palette an Behandlungsmöglichkeiten bei Psoriasis ist breit. Sie reicht von pflegenden Salben bis hin zu Immunsystem hemmenden Medikamenten.

Dabei gilt eine Hemmung der Immunantwort vom Typ Th1 als besonders wirksam. Ebenso wirken Sonnenbäder in der freien Natur und Behandlungen mit UV Licht über einen Immunsystem modellierenden Mechanismus.

Allerdings ist eine grundlegende Heilung zur Zeit nicht möglich. Deshalb erfordert Psoriasishaut auch bei Erscheinungsfreiheit eine dauerhafte Pflege. Dazu gehören Salben mit Teer, Harnstoff oder pflege durch spezielle Pflanzenextrakte und Öle.

Akute Krankheitsschübe werden häufig mit Anthralin, Vitamin D Präparaten oder Kortisonsalben behandelt. Bei schweren Schüben ist eine Vitamin A Behandlung möglich, dadurch wird in den Verhornungsprozess eingegriffen. Darüberhinaus sind Immunsystem hemmende Therapien durch Methotrexat, Ciclosporin oder Fumarsäueester möglich.

Totes Meer als Therapie bei Schuppenflechte

Salz und Sonne am Toten Meer bei Schuppenflechte

Eine beliebte Methode bei Psoriatikern ist eine Reise an das Tote Meer. Viele Betroffene machen dort auf Eigeninitiative Urlaub. Durch die Kombination von Bädern mit 30% Salzgehalt und der dauerhaften Sonnenbestrahlung berichten Betroffene von Besserungen des Hautbilds. Auf diesem Prinzip beruht auch die sogenannte Foto-Solebehandlung. In speziellen Rehabilitationskliniken wird diese Therapie seit ca. 20 Jahren angewendet.
Außerdem wird seit den 80er Jahren die Photochemotherapie (PUVA-Behandlung) praktiziert. Dabei wird durch Tabletten oder Badezusätzen die Lichtsensibilität der Haut stark erhöht und dadurch die Wirkung von UV Licht massiv verstärkt. Allerdings ist diese Methode auf Grund der hautkrebserregenden Wirkung bestimmter UV Wellen in der Diskussion.

Zu den vorherrschenden Therapieverfahren in Reha Fachkliniken gilt zur Zeit die Foto-Solebehandlung. Dagegen wird die PUVA Methode nur in Akutkliniken, wie in einigen Universitätsklinken, durchgeführt

Diese beiden Verfahren werden zur Zeit nicht als ambulante Behandlung von Krankenkassen übernommen. In einem Beschluss von 1999 wurde die vertragsärztliche Versorgung ausgeschloßen, da eine Wirksamkeit nicht abschließend nachgewiesen wurden.

Zur Zeit befinden sich neuartige Therapieansätze in der klinischen Prüfung. Dabei werden Schlüsseleiweiße durch Antikörper blockiert und dadurch Hautentzündungen verhindert.

Auf Grund dieser Entwicklung wird es in den nächsten Jahren deutlich mehr Therapiemöglichkeiten geben. Besonders für Menschen mit Problempsoriasis wird sich die positiv auswirken.

Wo finde ich Hilfe?

Im Rahmen von Rehabilitationsbehandlungen werden regelmäßig Schulungen angeboten, jedoch finden diese selten in Akutkrankenhäusern oder im ambulanten Bereich statt. Der Deutsche Psoriasis Bund bietet, in Zusammenarbeit mit Fachärzten und Experten, umfangreiche Beratungen an.

Die Schwerpunkte liegen dabei auf Informationen über Behandlungsmöglichkeiten, der täglichen Pflege, Entspannung und Selbstsicherheitstraining. Außerdem über Aufklärung, die Rolle der Vererbung und Ernährungsberatung.

In einem Modellversuch des Deutschen Psoriasis Bund wird zur Zeit eine ”Beratungsstelle für Patienten mit Hautkrankheiten” von den Krankenkassen gefördert. Dieser wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen betrieben.

Mit ca. 9.000 Mitgliedern ist der Deutsche Psoriasis Bund e.V. (DPB) die größte Selbsthilfeorganisation für Psoriasis Betroffene in Deutschland. Daneben gibt es noch mehrere lokale Laien- und Selbsthilfeorganisationen.

Der DPB wird durch Vertreter von Fachgesellschaften und Krankenkassen beraten. Das Beratungsangebot über die Internetseite des DPB nutzen Mitglieder sowie Nichtmitglieder.

Auf der ärztlichen Seite vertreten die Deutsche Dermatologische Gesellschaft sowie der Berufsverband Deutscher Dermatologen die Psoriasis. Im Bereich der Rehabilitation engagiert sich besonders die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. Außerdem entwickelt sie zusammen mit dem DPB Schulungsprogramme zum Umgang mit Schuppenflechte.

Ist eine Heilung in Sicht?

Aus Deutschland kamen wichtige Impulse für die Grundlagenforschung. Zum Beispiel entdeckte eine Gruppe Forscher aus Münster eine Reaktionsfähigkeit auf dem Chromosom 19.

Außerdem wies eine Arbeitsgruppe aus Kiel nach, dass bestimmte Eiweiße Bakterien abtöten können. Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, reichen weit über die Psoriasis hinaus.

Desweiteren beschäftigt sich die molekulargenetische Forschung mit schützenden Genen, um diese langfristig therapeutisch nutzbar zu machen.

Die Psoriasis Forschung erfolgt größtenteils in der Dermatologie. Teilweise auch in interdisziplinären Forschungsverbünden aus Humangenetik und Immunologie. Daran sind auch Rehabilitations- kliniken und andere Disziplinen, wie die Psychosomatik und Rheumatologie beteiligt.

Eine Behandlung von Psoriasis wird hauptsächlich von Hautfachärzten sowie Allgemeinmedizinern geleistet. Laut einer Hochrechnung der kassenärtzlichen Versorgung ist die Verteilung unter den Patienten ungefähr gleich.

In Deutschland waren im Jahr 2000 3.361 Dermatologen als niedergelassene Fachärzte tätig. Dazu waren 800 in Krankenhäusern und 72 in Vorsorge- bzw. Rehabilitationseinrichtungen angestellt.

Patienten mit Psoriasis-Arthritis werden in etwa gleichen Teilen von Rheumatologen bzw. Internisten betreut. Ebenso werden wichtige Behandlungen von anderen Heilberufen wie medizinischen Bademeistern und Heilpraktikern erbracht. Bei der Psoriasis-Arthritis auch von Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Masseuren.

Was bedeutet Schuppenflechte für mich?

Durch Schuppenflechte wird die Lebensqualität von Betroffenen nachhaltig beeinflusst. Auf Grund der chronischen Entwicklung der Krankheit ist eine dauerhafte Heilung nicht möglich.

Insgesamt ist die Lebenserwartung bei Menschen mit Schuppenflechte aber nicht kürzer als bei gesunden Menschen. Jedoch treten schwerwiegende gesundheitliche Probleme durch Gelenkversteifung und massiven Bewegungseinschränkungen bei Psoriasis-Arthritis auf.

Insbesondere durch Nebenwirkungen, nach langjähriger Einnahme von Medikamenten, können Schäden in Leber und Niere auftreten, die nicht wieder heilbar sind.

Am schlimmsten wird die Stigmatisierung empfunden und gilt als die schwerwiegendste Krankheitsfolge. In einer Befragung unter Psoriasis Patienten, die auch an Diabetes oder Asthma litten, gaben sie an, dass sie diese im Vergleich zur Psoriasis als deutlich weniger belastend empfinden.

Für junge Menschen ist es besonders belastend, wenn sie bei ersten Hautveränderungen plötzlich von Freunden wie Aussätzige behandelt werden. Obwohl von der Krankheit keine Ansteckungsgefahr aus geht.

Die Schwere der Krankheit wird von Betroffenen unterschiedliche eingestuft. Je nachdem wie weit die jeweilige Ausdehnung und Dauer der Krankheit ist und ob sensible Regionen, wie das Gesicht oder Genitalregion, betroffen sind.

Ebenso stellt Juckreiz ein großes Problem dar. Wobei der Umgang damit auch einen starken Einfluss auf den Verlauf der Krankheit hat. Häufig wird ein abkapseln von der Gesellschaft beobachtet, als depressive Reaktion auf die Erkrankung.

Viele Betroffene berichten von einer Besserung durch Teilnahme an Selbsthilfegruppen. Dadurch lernen sie selbstbewusster mit der Krankheit umzugehen. Für viele Betroffene entsteht auch ein erheblicher Zeitaufwand durch zusätzliche Hautpflege und Arztbesuche.

In einer Schweizer Studie mit 465 Erkrankten wurde der Krankheitsbedingte Mehraufwand für Hautpflege mit 172 Stunden ermittelt. Für die medizinische Betreuung, durch zum Beispiel Bestrahlungstermine, werden durchschnittlich 16 Stunden pro Jahr aufgewendet.

Neben den höheren Kosten für Hautpflege entstehen für Betroffene auch auch zusätzliche Kosten für Reinigung von Kleidung und Fahrtkosten zu den Behandlungsterminen.

Besonders tragisch ist, dass viele Berufe durch die Krankheit nicht mehr ausgeführt werden können. Außerdem kann es krankheitsbedingt zu höheren Ausfallzeiten kommen. Vor allem sind davon Berufe betroffen, in denen die Haut einer höheren Belastung ausgesetzt ist. Dies sind zum Beispiel Pflegeberufe oder Berufe mit hoher Staubentwicklung.

Desweiteren sind es Arbeiten, bei denen Betroffene mit Chemikalien in Kontakt kommen oder Tätigkeiten, in denen ein kosmetischer Aspekt wichtig ist. Ebenso können viele Arbeiten nicht mehr ausgeführt werden, bei denen die Haut einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt ist.

 Zusammenfassung

Schuppenflechte ist eine der größten Volkskrankheiten mit ca. 2-3% Erkrankten an der Gesamtbevölkerung in Deutschland.

Mit der Krankheit sind viele Beeinträchtigungen verbunden. Auf Grund der Sichtbarkeit werden Betroffene stigmatisiert und empfinden dies als schwerwiegenden Einschnitt in die Lebensqualität.

Die Foto-Soletherapie und die Bade-PUVA Therapie wurden als Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschloßen. Daraufhin nehmen viele schwer Erkrankte eine stationäre Behandlung in Anspruch. Dabei ist eine ambulante Behandlung meist aus privater, beruflicher und volkswirtschaftlicher Sicht viel sinnvoll

Bedauerlicherweise besteht bei Ärzten erhebliche Wissenslücken im Bereich der Schuppenflechte. Bei vielen Betroffenen könnte mit einer Änderung der Lebensweise schon eine Verbesserung erreicht werden.

Allerdings besteht ein großer Nachholbedarf über den Zusammenhang von Ernährung und Krankheitsbewältigung bei den Ärzten. Deshalb sehen sich viele Patienten mit ihrer Krankheit alleine gelassen.

Es gibt nicht ausreichend Daten über die direkten und indirekten Kosten, die Psoriasis verursacht. Deshalb sind viele Angaben nur Schätzungen. Außerdem fehlt es an Effizienznachweisen der Therapiemodellen.

Die in Deutschland betriebenen Forschungen orientieren sich weitestgehend an den Grundlagen der Krankheit. Dabei werden insbesondere Immunmechanismen, Entzündungsforschung und Identifizierung Krankheitsspezifischer Gene betrieben.

Dadurch wurde das Wissen um die Krankheit deutlich verbessert. Jedoch ist der Weg zu einer allgemeinen neuen Therapiemöglichkeit noch weit.